Dr. med. Joachim Rieker - Praxis für Psychotherapie
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Mögliche Ursachen für psychische Erkrankungen (bio-psycho-soziales Entstehungs- und Behandlungsmodell)

Nach Auffassung der Psychoanalyse spielen allgemein-menschliche, unbewusste innerseelische Konflikte (z.B. das Bedürfnis sich fallen zu lassen in einer Halt und Geborgenheit bietenden Beziehung bei gleichzeitigem Wunsch nach Selbstständigkeit und Freiheit) eine besondere Rolle für die Entstehung und Aufrechterhaltung psychischer Krankheiten. Weitere Faktoren können ungünstige Entwicklungsbedingungen in den ersten Lebensjahren sein (z.B. innere oder äußere Umstände, die dazu geführt haben, dass die wichtigsten Bezugspersonen nicht ausreichend einfühlsam und kindgerecht auf die Bedürfnisse des Kindes eingehen konnten) oder zutiefst verstörende Erfahrungen wie schwere Vernachlässigung oder körperliche, sexuelle oder seelische Gewalt (auch noch in späteren Jahren).

Viele seelisch Leidende sind in ihrem privaten oder beruflichen Beziehungsgeflecht in überfremdenden Rollenzuschreibungen gefangen (z.B. als Partnerersatz für ein Elternteil), aus denen sie sich nur schwer befreien können, zumal die anderen Akteure im Beziehungsnetzwerk Veränderungen häufig als Bedrohung erleben und deshalb (meist unbewusst) zu verhindern suchen. Solche Rollenzuschreibungen können dann erheblich an der Verursachung und Aufrechterhaltung eines seelischen Leidens beteiligt sein.

Aufgrund der untrennbaren Verknüpfung von Körper und Seele, wirken sich seelische Nöte immer auch körperlich aus (und umgekehrt) und können im Laufe der Zeit die Entstehung "echter" körperlicher Krankheiten begünstigen, insbesondere, wenn sie unbewusst bleiben. Demgegenüber werden bei besonders dazu veranlagten Menschen seelische Nöte manchmal aber auch vollständig in Körpersymptome umgewandelt und ausschließlich als solche erlebt. Es liegen dann psychisch bedingte körperliche Beschwerden vor, für die medizinisch keine ausreichenden Ursache gefunden werden kann. Der seelische Ursprung der Körpersymptome bleibt den Betroffenen dabei i.d.R. verborgen. Umgekehrt können schwere und anhaltende körperliche Beschwerden oder stark belastende äußere Lebensveränderungen auch ohne bedeutsame lebensgeschichtliche psychische Vorbelastung erhebliches seelisches Leiden hervorrufen.

Schließlich können psychische Erkrankungen auch direkte Folge oder Begleiterscheinung körperlicher Erkrankungen sein, insbesondere des zentralen Nervensystems oder des hormonellen Systems, oder selten auch durch Drogen oder Medikamente ausgelöst werden, was vor Beginn einer Psychotherapie organ-medizinisch ausgeschlossen, bzw. behandelt werden muss. Bei vielen psychischen Störungen nimmt man an, dass es zusätzlich zu den bereits oben genannten Ursachen, weitestgehend noch unbekannte, genetische Faktoren in unterschiedlicher Gewichtung geben muss.

Zusammengefasst geht man heute von einem bio-psycho-sozialen Entstehungs- und Behandlungsmodell psychischer Erkrankungen aus. Es gibt also meistens mehrere Faktoren (biologische, psychische und soziale), die erst in der Kombination zur Entstehung psychischer Erkrankungen führen, und auch dies i.d.R. nur dann, wenn zusätzlich aktuelle innere oder äußere Belastungen als Auslöser hinzukommen, die die bisherigen Bewältigungsmechanismen aus dem Gleichgewicht bringen.

Dr. med. Joachim Rieker - Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie  | Letzte Aktualisierung am 01.07.2020